Die Formenvielfalt der Muscheln ist bemerkenswert, am äußersten bei wurmartigen Formen mit verhältnismäßig kleinen Schalen. Dieser Grundbauplan kennzeichnet alle Untergruppen, schwankt aber beträchtlich. Anders als Armfüßer, die eine obere und eine untere Klappe haben, besitzen Muscheln eine rechte und eine linke. Diese Symmetrie bleibt allerdings oft nicht erhalten, sondern kippt in eine funktionale obere und untere Schale.

Auf der linken Seite sind symmetrische Formen zu sehen, deren Schalenteile also bis auf den Schlossbereich spiegelbildlich sind. Oben stehen Exemplare von Bositra (früher zu Posidonia gestellt) aus dem Unterjura, die sich mit Byssusfäden an Treibgut heften und in oberflächennahen Wasserschichten filtrieren konnten.

In der Bildmitte sind zwei Trigoniiden zu sehen, Trigonia und Myophoria. Die kräftig skulpturierte Trigonia ähnelt der einzigen rezenten Gattung Neotrigonia und konnte sich eingraben, indem sie ihren Körper mit kraftvollen Bewegungen des muskulösen Fußes in den Meeresboden zog. Das unsymmetrische Profil der dicken Schalenrippen wirkt als Sperre und erlaubt die Bewegung nur in eine Richtung, damit sie beim nächsten Pulsieren des Fußes nicht zurückrutscht. Bei Myophoria aus der Trias ist der Fuß eingezogen dargestellt, während der Trichter für den Wasseraustausch ausgestreckt ist.

Inoceramus unten links konnte gewaltige Ausmaße erreichen, von Dezimetern bis in den Meterbereich! Es darf angenommen werden, dass einige der vielen Kreidearten halb im Meeresboden steckten. Andere standen, wie hier gezeigt, vermutlich überwiegend frei im Wasser. Sie konnten sich mit aushärtenden Byssusfäden in weichen, lockerkörnigen Substraten verankern.

Auf der rechten Seite stehen Muscheln, die die Rechts-links-Symmetrie faktisch in ein Oben und Unten überführt haben. Bei heutigen Austern geschieht das schlicht dadurch, dass sie mit der linken Schale auf dem harten Untergrund aufwachsen, sodass eine Seite auch ohne genetische Steuerung bis ins kleinste Detail geformt wird. Manche Austern lebten in weichen Substraten und lassen sich anders rekonstruieren. Oben und in der Bildmitte stehen die Gryphaeen-Austern Gryphaea (Jura und Kreide) und Pycnodonte (Kreide bis Pleistozän), die eine mit breiter Lippe, gedeutet als liegende Öffnung, die andere mit steiler Öffnung.

Schließlich unten rechts einige Rudisten, jene heute vollständig ausgestorbenen Muscheln, bei denen es einiger Vorstellungskraft bedarf, ihre Einordnung zu glauben. Es gab sogar Rudisten, die in langen Röhren Kolonien bildeten und gewaltige Riffe aufbauten (an der Universität hießen sie „Spaghettiriffe“, doch diesen Begriff konnte ich online nicht finden). Am bekanntesten sind diese einzeln lebenden Rudisten Hippurites. Die rechte Schale war übermäßig vergrößert und becherartig aufgerichtet, während die linke als Deckel wirkte und über das Schloss mit der skulpturierten Seite des Unterteils verbunden war.

So blieb bei aller Abwandlung der Muscheln und ihrer Verwandtschaft ein Grundbau erkennbar. Die meisten Arten dieser sehr wichtigen Gruppe teilen zudem eine weitgehend bis vollständig festsitzende Lebensweise als Filtrierer.

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