Im oberjurassischen Solnhofener Archipel war der große, aber seltene Pliosaurus der Spitzenprädator. Die meiste Zeit wurden die flachen Gewässer von zwei Vertretern der Stammgruppen jener Räuber heimgesucht, die in heutigen Nahrungsnetzen weiter oben stünden. Der erste und in dieser Szene offensichtlich der Hauptakteur ist Dakosaurus, von dem ein 5 Meter langes Skelett erstmals die Gelegenheit bot, den ganzen Körper über bloßes Raten hinaus zu rekonstruieren (einzelne Zähne deuten auf noch größere Individuen). Diese vollständig marinen Krokodilverwandten besaßen ichthyosaurierartige knöcherne Augenringe, ein Merkmal, das den meisten krokodilartigen Archosauriern in jeder Form fehlt. Nach dem, was über Gebisse im Zusammenhang bekannt ist, gab es wahrscheinlich keine Lippenbedeckung, was zu den Unterschieden gegenüber ihren ökologischen Erben, den Mosasauriern der Kreidezeit, beiträgt.
Der zweite Räuber wären hybodonte Haie, in diesem Fall Asteracanthus, ein 3 Meter langer Verwandter moderner Haie und einer der größten Knorpelfische in dieser Kulisse des Jura. Es gibt Hinweise, dass moderne Haie bereits zugegen gewesen sein dürften – einschließlich der Lamniformen, der Vorfahren des Weißen Hais. Dennoch sagt uns die vorherrschende Überlieferung, dass die echten Haie unmittelbar vor ihrem großen Auftritt standen. Wer weiß, was sie im endlosen Ozean vorbereitet hatten, einer Region, die in den bekannten Fossilien kaum überliefert ist. Hier, im heutigen Süddeutschland, liefen hybodonte Haie Gefahr, zur Mahlzeit für Dakosaurus zu werden – belegt durch Mageninhalt!



