Viele Menschen, auch Fachleute, nehmen noch immer an, die Solnhofener Kalke stünden für ein und denselben Lebensraum des Oberjura. Tatsächlich verbergen die aneinandergereihten Fundstellen entlang des bayerischen Altmühltals mehrere eigenständige Lebensgemeinschaften sowie zeitlich beziehungsweise stratigraphisch verschiedene Niveaus. Erst vor diesem Hintergrund ist erstaunlich, welche Gemeinsamkeiten die einzelnen Fundorte aufweisen. Leider sind diese für die nur mittelbar bekannten Insellebensräume schwer zu beschreiben.
Neben den Urvögeln – Archaeopteryx ist letztlich einer der häufigsten mesozoischen Theropoden Europas – bewohnten auch flugunfähige Dinosaurier die kleinen Inseln inmitten der Rifflandschaft. Bislang sind drei bekannt, und zwar nicht nur drei Gattungen, sondern tatsächlich nur drei Exemplare. Alle waren zum Zeitpunkt ihres Todes nicht ausgewachsen und maßen weniger als einen Meter. Wie groß sie ausgewachsen gewesen sein mögen, dazu haben wir keine brauchbare Schätzung. Für die Annahme von nur 2 Metern, wonach auch Fleischfresser mit Inselverzwergung reagieren, gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Für die Annahme von 8 Metern oder mehr, wie bei manchen ihrer Verwandten auf dem Festland, fehlten vermutlich ausreichend große Reviere und genug große Beute. Denn pflanzenfressende Dinosaurier oder andere große Pflanzenfresser jeder Art fehlen im Solnhofener Archipel offenbar – ein weiteres typisches Merkmal ozeanischer Inseln.
Der forschungsgeschichtlich am längsten bekannte der hier gezeigten Dinosaurier ist Compsognathus, der große in der Mitte. Seine Verwandtschaft bedingt keine größere Körpergröße. Die Behaarung – funktional wäre es ein Fell, evolutionär besteht sie aus Protofedern – ist durch chinesische Compsognathiden aus der Unterkreide belegt. Und obwohl aus rechtlichen Gründen für ungültig erklärt, kennt alle Welt jenen brasilianischen Fund, der sogar verlängerte Schulterstacheln bewahrt. Mit einem kleinen Fragezeichen zu ihrer Lage am Körper und mit einer rein hypothetischen Fortsetzung als Armstacheln (Letzteres nach Befunden anderer Theropoden) wurden sie hier versuchsweise übertragen. Komisch, dass danach noch niemand gefragt hat, denn es ist ziemlich sonderbar.
Rechts steht Sciurumimus, bekannt von einem vollständigen Skelett mit umgebenden Federn. Dieses Tier ist noch deutlicher ein Jungtier, und die ausgewachsenen Megalosauroiden von anderswo sind mehrere Meter lang und durchbrechen sogar die 10-Meter-Marke. Der Fund liefert nicht nur den ursprünglichsten unmittelbaren Nachweis von Protofedern unter den Theropoden. Sciurumimus warf auch die Frage auf, ob große Räuber auf diesen Jurainseln lebten – und wenn ja, wie groß. Ohne große Knochenfunde bleibt es eine fruchtlose Diskussion mit negativen Belegen.
Schließlich Juravenator, ebenfalls mit vollständigem Skelett bekannt, dazu Federreste und Teile der Hautoberfläche. Nach der Fülle der Informationen ließe er sich als vollständigster Theropodenfund Europas bezeichnen (nach Gelenkzusammenhang und Erscheinungsbild wäre es Sciurumimus). Die Illustration gehört zu einer Installation, die ein lebensgroßes Modell des zierlichen Räubers einschließt. Es war daher klar, dass diese Malerei dasselbe Erscheinungsbild wiedergeben musste. Warum ich Juravenator nicht nackt und beschuppt zeige, wie manche Studien es bewiesen zu haben meinen, lässt sich in einem Beitrag zum Modellbau nachlesen.



