Auf die Frage, was dieses Tier sein könnte, stimmten manche für Mosasaurier. Ökologisch betrachtet trifft das zu, denn Dakosaurus ist eine Art früher Vorwegnahme des Mosasaurier-Typus. Das ist eine umso echtere evolutionäre Beobachtung, als die Mosasaurier erst nach dem Aussterben der Ersteren auftraten. Das andere typologische Bild von Dakosaurus ist die Seeschlange, wobei die steuernden Extremitäten und die fischartige Schwanzflosse ihn zu einem deutlich anderen Meeresreptil machen.

Die gesamte Familie der Metriorhynchidae, zu der Dakosaurus als einer der größten Vertreter gehört, ist ein gutes Beispiel für konvergente Evolution. Nicht nur zeigen die Extremitäten eine nahezu vollständige Flossenanatomie, die sie mit mehreren Linien mariner Amnioten teilen. Metriorhynchiden besaßen zudem große Skleralringe als Teil ihrer Augen, was sie sonst nur mit den Ichthyosauriern gemeinsam haben. Bei diesen eher delfinartigen Reptilien dürften die knöchernen Augenringe auch dem Schutz gegen den Druck in der Tiefe beim Tauchen gedient haben. Da Metriorhynchiden nicht so tief tauchten, war die andere Funktion wahrscheinlich der Schutz gegen jenen Druck, der bei hoher Geschwindigkeit entsteht, um die Fähigkeit zum Scharfstellen zu erhalten. Allerdings gehören Metriorhynchiden zu einer Gruppe namens Crocodyliformes, die die Skleralringe fast vollständig verloren hat – diese Strukturen sind in ihrer Linie also eine Neuerfindung.

Interessanterweise waren die Vorfahren aller Crocodyliformes Landbewohner. Sekundäre Anpassungen ans Wasser traten in mehreren Untergruppen auf, und im Fall der Metriorhynchidae ist es nicht dieselbe, aus der unsere heutigen Krokodile hervorgingen. Systematisch korrekt ist Dakosaurus kein echtes Krokodil, sondern ein weiteres Stammkrokodil aus dem Jura. Was die Wasseranpassung angeht, ist er so wenig landgebunden wie nur möglich. Selbst die Haut ist nicht mehr schuppig und hielte der normalen UV-Strahlung beim Sonnen an Ufern oder Stränden nicht stand.

In einigen Schichten des Oberjura in Europa und Südamerika ist Dakosaurus ein seltener, aber regelmäßiger Räuber. Die meisten Fossilien sind Einzelzähne, dazu einige Schädel und Teilskelette. Wir konnten mit Freude das erste vollständige Exemplar dokumentieren, das endlich Auskunft über die wahre Körperform dieses recht eleganten Jägers gab. Von genau diesem Individuum stammt ein Stück Mageninhalt: eindeutig ein größerer Knorpelfisch, höchstwahrscheinlich ein Hybodontier.