Die Paläobotanik hat zwei große Probleme. Das eine ist unfair und unberechtigt: Das Fach steht innerhalb unserer Disziplin etwas am Rand. Auf Tagungen bekommt es eine kleine Alibi-Sektion, oft in entlegenen, kleinen Räumen. Das liegt natürlich daran, dass es weit weniger Paläobotanikerinnen und Paläobotaniker gibt, mit sehr wenigen Stellen, an sehr wenigen spezialisierten Museen oder Instituten. In Deutschland lassen sich die Forschungszentren an einer Hand abzählen, und dafür müssen Sie nicht einmal fünf Finger haben. Dabei sind die Funde sensationell, die Methoden absolut faszinierend, und die Bedeutung der Botanik ist weit größer als die mancher Saurierforschung. Nicht, dass wir weniger Dinosaurierforschung wollen – fünfmal so viel Paläobotanik wäre ein guter Anfang. Es gibt reichlich zu tun.

Das zweite Problem ergibt sich aus der Natur des Untersuchungsgegenstands und ist damit so etwas wie eine Detektivaufgabe. Es geht um die Parataxonomie, denn Holz, Blätter, Früchte, Pollen und Samen finden sich in der Überlieferung in aller Regel streng getrennt. Pflanzen haben eine andere körperliche Integrität und durchlaufen folglich andere Zerfallsprozesse als Tiere. Nur wenige Fundstellen bewahren ganze Organverbände, nämlich dann, wenn die Einbettung schnell und ohne vorherigen Transport erfolgte. Das sind keine guten Lebensbedingungen für Pflanzen, aber wo wären sie das schon? Die weltweit wichtigste Fundstelle mit diesem Potenzial ist der Versteinerte Wald von Chemnitz. Im frühen Perm wurde ein dicht bewachsenes Waldgebiet vom pyroklastischen Strom eines nahen Vulkans verwüstet. Manche Pflanzen wurden umgebogen und erlauben – nach jahrelanger, mühsamer Präparation – die Zuordnung von Wedeln, Hölzern und Früchten zueinander.

Diese eher schematische Darstellung bezieht sich auf einen Samenfarn namens Medullosa stellata var. typica Cotta, 1832. Samenfarne sind heute ausgestorbene Vertreter ursprünglicherer Samenpflanzen. In Karbon und Perm waren sie sehr bedeutend, im Mesozoikum gingen sie zurück, und im frühen Känozoikum blieben nur wenige Nachzügler. Wie der Name Samenfarn richtig andeutet, bildeten sie echte Samen, hatten sich also von der Stufe der Sporenpflanzen entfernt. Das wedelartige Aussehen der Farne behielten sie bei, was ihr Name fälschlich nahelegt. Sagen wir es so: Der gemeinsame Vorfahre von Farnen und Samenpflanzen hat diese Blattform vermutlich an beide weitergegeben. Man muss schon Botanikerin sein, um an einem einzelnen fossilen Wedel zu erkennen, zu welcher Großgruppe ein farnartiges Blatt gehört.

Weil die Erhaltung im Versteinerten Wald von Chemnitz so gute Schlüsse zulässt – in situ und dreidimensional –, ging es bei dieser Aufgabe um die Anatomie des Stammes und der Wedelbasen. Die meterlangen Wedel waren offenbar spiralig angeordnet, was sich am Fossil ablesen lässt. Mikroskopische Untersuchungen zeigen, wie die Leitbündel miteinander verbunden sind. Das primäre Xylem, das wasserleitende System in senkrechter und in querer Richtung, ist rot markiert. Eine Art Röhre aus primärem Xylem liegt in der Mitte der Pflanze, bei den Medullosen inmitten des sekundären Xylems, hier gelblich. Dieser Holzkörper, der die Pflanze mehrere Meter hoch werden ließ, wuchs also nach außen und nach innen. Der äußere Holzring wurde stellenweise vom primären Xylem durchbrochen, nämlich dort, wo eine Blattnarbe die Abzweigung in den Wedel umsetzte.

Die Fassung links ist selbstverständlich die richtige, die auch in der Publikation verwendet wurde. Ich halte sie für etwas zu streng und zu satt geraten. Als halbschematische Illustration ist das durchaus angemessen. Da dem Ergebnis aber ein intensiver Prozess aus Skizzen, geometrischen Konstruktionen und Diskussion vorausging, und weil Zwischenergebnisse ihren eigenen Reiz haben, ist rechts ein Schritt der Entwicklung zu sehen. Die Proportionen stimmen nicht, weil die Skizze noch nicht auf der vollständigen Datenlage beruhte. Sie ist eher ein Versuch dazu, wie sich virtuelle Schnittwirkungen oder Transparenzen einsetzen lassen. Das letzte Wort haben natürlich die Botaniker, die die Illustration beauftragt haben. Es ist nur eine kleine Betrachtung über den langen Weg zu einer fertigen Illustration, zum Weiterdenken.